Deutsch-Japanisches Duo                                                                                                                 

Ungewohnte Klangmuster

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Thomaskirche mit Weltkugel und Hinweis Tokio

Bilder Cornelia Müller WB

Ein Zeichen der Hoffnung gesetzt

Benefizkonzert für Japan  

»Vom Klang der Kirschblüte«        

in der Thomaskirche Espelkamp

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Von Cornelia Müller

Espelkamp (WB). Die Diskussion über den Atomausstieg in Deutschland ist in vollem Gang, die Naturkatastrophe in Japan, die letztlich der Auslöser war, ist hier dagegen schon fast vergessen. Im Auftritt von Sopranistin Gudrun Elpert-Resch und Pianistin Chihiro Masaki begegneten sich bei dem Benefizkonzert in der Thomaskirche deutsche und japanische Musikkultur. Fotos: Cornelia Müller


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Ralf Kapries hat den Abend moderiert und Haikus vorgetragen.

Mit einem Benefizkonzert unter dem Titel »Vom Klang der Kirschblüte« haben die evangelische Martinskirchengemeinde und der Bürgerhausverein am Samstag zu Solidarität mit den Menschen in Japan aufgerufen, die immer noch unter den Folgen der Katastrophe leiden. Moderator und Rezitator Ralf Kapries rief zunächst noch einmal die Chronologie der Katastrophe in Erinnerung und trug fünf Gedichte von Yoko Masaki vor. Die Trümmerlandschaft nach dem Tsunami, das Leid und die Hoffnung der Menschen wurden darin in wenigen Worten beschrieben. Trotz des erschütternden Anlasses sollte das Konzertprogramm bewusst »asiatisch fröhlich« sein, wie Ralf Kapries formulierte, es sollte eine Brücke zwischen den beiden Kulturen geschlagen werden.
Der Gedanke der deutsch-japanischen Begegnung spiegelte sich nicht nur in der Herkunft der Mitwirkenden, neben Ralf Kapries die Sopranistin Gudrun Elpert-Resch und die Pianistin Chihiro Masaki, wider. Er fand sich auch in der Auswahl der Werke und setzte sich bis ins Innerste der Musik fort. Denn allen Liedern - ob japanisch oder deutsch - war das Thema »Natur« gemeinsam, das in der japanischen Poesie eine ebenso prägende Rolle spielt wie in der deutschen. Und so eigenständig und unverwechselbar Komponisten aus Japan und Deutschland dieses große Thema vertont haben, so unübersehbar waren auch die Parallelen.

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Auf der einen Seite waren da die typisch japanisch klingenden Ton- und Harmoniefolgen, wie in dem Volkslied »Sakura« (»Kirschblüte«) und in Kozaburo Y. Hirais Komposition »Sakura-Sakura«: Fremd und schön zugleich. Auf der anderen Seite gab es die deutlichen Einflüsse der deutschen Romantik, wie sich im direkten Vergleich mit Liedern von Schumann (»Mondnacht«) oder Schubert (»Schöne Welt, wo bist du?«) zeigte: Vertrautheit mitten im Fremden.
Doch nicht nur das ungewöhnliche Programm machte das Konzert zu einem musikalischen Ereignis. Chihiro Masaki glänzte als kompetente Begleiterin und als herausragende Solistin (Beethovens »Mondscheinsonate«), und es war ein Hochgenuss, der klangvollen Stimme von Gudrun Elpert-Resch, die Wärme und Tiefe hatte und zudem mit großer Textverständlichkeit beeindruckte, zuzuhören. Beide Musikerinnen ließen auch das Unausgesprochene in den Melodien hörbar werden, so wie es die von Ralf Kapries vorgetragenen Haikus taten, die kurzen, sehr komprimierten japanischen Gedichte.
... setzte das Konzert ... ein wichtiges »Zeichen der Hoffnung« (Ralf Kapries). Ein Erfolg war es auch finanziell: 6000 Euro waren bereits im Vorfeld an Spenden zusammengekommen, die mit dem Erlös des Konzertes an die Diakonie-Katastrophenhilfe und die evangelische Kirchengemeinde in Tokio weitergeleitet werden.
WB Artikel vom 31.05.2011

Benefizkonzert in der Martinskirche als deutsch-japanische Begegnung

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VON CHRISTIANE TIETJEN

Espelkamp. Nein, es fiel wohl keine Stecknadel bei dem Konzert mit dem schönen Titel "Vom Klang der Kirschblüte", doch man hätte das garantiert gehört, so fein und durchsichtig war die Musik. Chihiro Masaki am Klavier und die Sopranistin Gudrun Elpert-Resch aus Gütersloh interpretierten bei ihrer "Deutsch-japanischen Begegnung" Kunstlieder der Romantik.
Organisiert wurde das Benefizkonzert für Japan vom Bürgerhausverein und der evangelischen Martins-Kirchengemeinde, die auch die Thomaskirche mit ihrer wunderbaren Akustik als Konzertsaal zur Verfügung stellte. Dank vieler Sponsoren, darunter als größte Einzelspender die Firmen Harting und Gauselmann, konnte eine große Geldspende eingenommen werden und der Abend mit Bewirtung und Blumenschmuck bereichert werden, passend zu den Plakaten und Programmen in leuchtendem Rot-Weiss-Schwarz.
Die Musik der Romantik entstand in Deutschland, das sogenannte Kunstlied für Sologesang und Klavier fand mit den Komponisten Franz Schubert und Robert Schumann hier einen Höhepunkt. Japanische Liedkomponisten, die im frühen 20. Jahrhundert in Deutschland studiert hatten, übertrugen diese Musik wegen ihrer hohen Affinität in ihre Heimat. Dort erfreut sie sich großer Beliebtheit mit Komponisten wie Rentaro Taki oder Kosaku Yamada, die hierzulande Unbekannte sind. Doch der Appetit kommt ja bekanntlich beim Essen beziehungsweise beim Hören: Seltsam vertraut klangen die Lieder, und es war leicht, sich hineinzufinden in die Welt der Naturbetrachtung und der Emotionen.
Ungewohnte Klangmuster verschmolzen mit vertrauter westlicher Tradition: Der Wechsel vom japanischen zum deutschen Lied war kaum zu spüren, unwesentlich dabei die anders lautenden Texte, die zuvor vom Rezitator Ralf Kapries auf Deutsch vorgetragen wurden. Kurze Poeme, ausdrucksvoll vertont: "Eine Rose blüht in der Wildnis, sie ist von wunderschöner Farbe, kennt keine Zivilisation. Sie ist ein Zeichen Gottes."
Der sehr reine Sopran Gudrun Elpert-Reschs kletterte mühelos in höchste Höhen, aber er verstand es auch, zu halten und zu tragen. Unvergleichlich, wie ihre Lieder am Ende im Raum stehen blieben und förmlich von den Zuhörern mit geatmet wurden. Eine Atmosphäre im wahrsten Sinne des Wortes also, deren Zauber sich keiner entziehen konnte.
Auch Chihiro Masaki am Klavier entfaltete einen ganz besonderen musikalischen Stil: mit vielen Zwischentönen auf der Palette hauchzart bis leidenschaftlich-bewegt, doch sehr gefasst und immer ganz bei sich.
Während man bei Gudrun Elpert-Resch den Atem anhielt, als sie die "Mondnacht" von Robert Schumann sang, faszinierte Chihiro Masaki mit dem 1. Satz aus Ludwig v. Beethovens "Mondscheinsonate".
Kulturjournalist Ralf Kapries zitierte japanische Haikus, in ihrer streng gefassten Gedichtform, die gerade durch die Verbindung von klarer Form und romantischem Inhalt ihre Wirksamkeit entfalten. In einer sehr vielfältigen Fotoprojektion zeigte er sowohl Bilder des Erdbebens und der aktuellen Atomreaktor-Katastrophe in Japan mit den erschreckenden Zerstörungen, als auch Illustrationen zum musikalischen Teil des Abends. Japanische Holzschnitte und Tuschezeichnungen, Bilder von Caspar David Friedrich waren dabei, Naturaufnahmen, feiernde Menschen. Beides nebeneinander, Vernichtung und heile Welt. Wohltuend seine warme sonore Stimme mit dem Zitat Martin Luthers: "Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich noch heute ein Apfelbäumchen pflanzen".
Es gab sehr viel Applaus für dieses eindrucksvolle Konzert.
© 2011 Neue Westfälische13 - Lübbecke (Altkreis), Montag 30. Mai 2011

 

 

© Gudrun Elpert-Resch   Hohenzollernstraße 23    33330 Gütersloh  

  Telefon: 05241-12524   E-Mail: elpert.resch(at)googlemail.com

Gudrun Elpert-Resch, Ralf Kapries, Pastorin, Chihiro Masaki (Foto: Christiane Tietjen)


Elpert-Resch, Masaki, Kapries, Pfarrerin und Organisator Karsten Schulz (Foto: C. Tietjen)